Wir sind nicht still – wir sind laut!

Gegen Rassismus und Populismus – für Mitmenschlichkeit, Toleranz, Integration, Vielfalt und Menschenwürde.


Es waren viele und sie waren nicht still – die ca. tausend Menschen, die in Berkentin am 31. Oktober 2018 für Ihre Ziele und Forderungen demonstrierten.

Es ist nicht selbstverständlich, dass in einem kleinen Ort auf dem „Land“ mitten im Kreis Herzogtum Lauenburg eine so große Demosntration stattfindet. Es war wohl die größte Demonstration, die Berkentin je erlebte.

Auch in ländlichen Gebieten erleben wir eine Zunahme an rechtspopulistischen und rassistischen Aktivitäten. In einem Betrieb in Schwarzenbek ist es wieder Alltag, dass man von „Kanacken’“ spricht. Die AfD hat die NPD im Kreistag abgelöst.

Von daher ist es wichtig, dass auch im ländlichen Raum die Menschen deutlich machen, dass sie die Mehrheit sind, dass sie Rassismus verurteilen und für demokratische Werte eintreten.

Aufgerufen hatte als Veranstalter die Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Berkenthin mit Unterstützung durch den Ev..-Luth. Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg, der Gemeinde Berkenthin, der SPD, dem Kirchenförderverein, dem Runden Tisch für Willkommenskultur Berkenthin und Ratzeburg u.v.a.m.

Pröbstin Frauke Eiben formulierte es so: „Ich meine das deutliche Abrücken von demokratischen Werten und Grundhaltungen hin zu einem Nationalismus und ,mein Land zuerst‘. Ich will das nicht, Sie wollen das auch nicht! Nicht in unserem Namen. Kein Rassismus, keine Menschenfeindlichkeit, kein Rumtrampeln auf den Werten unseres Grundgesetzes. Wir brauchen eine Zeitumstellung in unserem Land, die heißt Menschlichkeit first, Nächstenliebe first und Schutz der Schwachen first. Demokratie stärken, üben und vor allem leben!“

Ihre Empörung über die tausenden Opfer im Mittelmeer wurde von den Demonstranten laut geteilt.

Die Amtsvorsteherin Iris Runge (Sierksrade) trat mit einem einem Jugendlichen aus Afghanistan auf die Bühne, der mittlerweile mit seiner Familie in Groß Weeden eine Heimat gefunden hat. Sie plädierte für die Willkommenskultur in dem Landkreis.

Wir hoffen, dass die Familie nicht abgeschoben wird. Die VVN-BdA sollte sich dafür einsetzen, dass die Familie nicht nach Afghanistan abgeschoben wird – einem Land, welches zunehmend mit Krieg überzogen wird, nachdem die Taliban wieder große Teile des Landes beherrschen. Der Bürgermeister Michael Grönheim (SPD) erinnerte an das Ende des ersten Weltkrieges am 11. November 1918. und hat den Eindruck, dass sich Geschichte wiederholt.

Er rief den Demonstrant*innen zu: „Wir wollen keine Rechtsextremisten in unserem Ort. Wenn sich weite Teile einer im demokratischen Verfahren gewählten Partei in den Parlamenten öffentlich hinstellen und offen rassistische, antisemitische und antidemokratische Parolen krakeelen, dann darf man nicht still sein.“ Die AfD deklariert in Interviews diese Sprüche dann als Mißverständnis um dann mit langen Erklärungen genau dasselbe zu sagen – nur eben feiner ausgedrückt.

Die VVN-BdA Lübeck u. Kreis. Herzogtum Lauenburg beteiligte sich an der Demonstration mit dem Transparent „Rassisten und Nazis entgegentreten – Refugees welcome“. Wir konnten bei der Abschlusskundgebung das Transparent weithin sichtbar zwischen zwei Bäumen aufhängen.

Wir sind jetzt gespannt wie es weitergeht. Werden sich jetzt mehr Menschen im Kreis bei den runden Tischen für Willkommenskultur engagieren? Werden sich mehr Menschen gegen den Krieg einsetzen, der in den meisten Fällen der Grund ist warum Menschen fliehen? Wird die Familie nach Afghanistan ausgewiesen? Wie verhindern wir das.

VVN-BdA Kreis Lauenburg, Lore und Bernd Meimberg