Was ist an meinem Tun verfassungsfeindlich?

Unsere Kameradin Silvia Gingold aus Kassel steht erneut vor dem Verwaltungsgericht Kassel angesichts der Beobachtung ihrer Person durch den Verfassungsschutz.

Auszüge aus ihrer persönlichen Erklärung vor Gericht:
Im Mittelpunkt der Begründung für die Beobachtung meiner Person stehen meine Aktivitäten für die VVN, die der Verfassungsschutz als »linksextremistisch beeinflusste Organisation« einstuft.
Und weiter, diese antifaschistische Organisation wurde vor 70 Jahren von den Überlebenden der Konzentrationslager, den Verfolgten, den Widerstandskämpfern  verschiedenster politischer Richtungen gegründet.Sie fühlten sich den Opfern verpflichtet, alles zu tun, damit sich Krieg und die unfassbaren Verbrechen der Nazis nie wiederholen. Ausgerechnet diese Organisation wird vom Inlandsgeheimdienst als »linksextremistisch diffamiert und kriminalisiert.
An der Gründung der VVN in Hessen war auch mein Vater Peter beteiligt, dessen jüdische Geschwister die Nazis in den Gaskammern von Auschwitz grausam ermordeten, der in der Résistance in Frankreich Widerstand gegen Hitler leistete, der in Gestapo-Haft kam und dort schwer gefoltert wurde. Nur durch Flucht konnte er dem Tod entgehen.
Besonders empört mich, dass das Landesamt für Verfassungsschutz den »Schwur von Buchenwald«, dem sich die VVN verpflichtet fühlt, als Beleg für angeblich »verfassungsfeindliche Bestrebungen heranzieht. (Siehe S. 3).
Jegliche Diskreditierung dieses Schwurs
ist eine einundzwanzig tausendfache
Beleidigung der Überlebenden und zugleich
eine Schändung der 56.000 Opfer von
Buchenwald – das nehmen wir nicht hin
sagt Günter Pappenheim, …
… Jahrgang 1925, einer der letzten Überlebenden des KZ Buchenwald, Vorsitzender der Lagerarbeitsgemeinschaft Buchenwald-Dora und Erster Vizepräsident des Internationalen Komitees Buchenwald- Dora und Kommandos war vom 15. Okt.1943 – 11. April 1945 Häftling in Buchenwald. Er sagte auf einer Gedenkkundgebung im April 2017   auf dem ehemaligen Appellplatz in Buchenwald – die »Deklaration« der befreiten Häftlinge des Konzentrationslagers Buchenwald vom 19. April 1945 unter den komplizierten Bedingungen des Lagers entstand, die Zustimmung aller am Internationalen Lagerkomitee beteiligten Nationen erhielt und ein von 21.000 Überlebenden beschworenes historisches Dokument wurde,das keiner Deutung bedarf.
Die Angriffe auf den Schwur von Buchenwal nehmen wir nicht hin, von niemandem!

Diese nationale Schande ist in hohem Grade unwürdig. Das zu benennen, bleibt unsere Pflicht – auch gegenüber den noch Lebenden anderer Nationen und ihnen Nachfolgenden.

Anmerkung zu den Aussagen der Verfassungsschutzämter
Argumentiert wird mit einem gemeinsamen Dokument des Bundes- und der Landesverfassungsschutzämter. Diese behaupten statutenwidrig, die VVN-BdA sei eine »linksextremistisch beeinflusste Organisation«, deren Bestrebungen »gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung« gerichtet sei. Die VVN-BdA sei »dem orthodox-kommunistischen Antifaschismus verpflichtet« und trete demzufolge  »für eine sozialistisch-/kommunistische Diktatur« als »einzig konsequente Alternative zu ›faschistischen‹ Gefahren« ein. Besonders empörend ist die Behauptung, der Schwur von Buchenwald sei eine verfassungsfeindliche kommunistische Hervorbringung.            Lore Meimberg