HAFENSTRAßE’96 – Welche Rolle spielt Gedenken heute?

Beginn: 19.00 Uhr
schickSAAL,. Clemensstraße 7, Lübeck

Einladung an alle Betroffenen von rassistischer Gewalt, Angehörige, Freund*innen und solidarische Menschen:

Der Brandanschlag in der Hafenstaße in Lübeck ist jetzt 24 Jahre her. Die Täter wurden nie angeklagt. Es gibt viele offene Fragen und einige sind bis heute nicht gestellt. Nur einige Probleme bleiben scheinbar immer gleich: Rassismus, Antisemitismus und Neonazismus. Zu erinnern und zu gedenken unterbricht das Schweigen und macht dadurch gewalttätige Strukturen sichtbar. Strukturen von damals – Strukturen von heute.

Gedenken ist nichts Abstraktes. Es geht um die Menschen die fehlen. Es geht darum sie sichtbar zu machen. Darin sind wir auf die Angehörigen und Überlebenden angewiesen. Wer waren sie? Wie möchten sie erinnert werden? Gedenken ist persönlich und darin auch politisch und trägt viele Facetten. Im Gedenken und Erinnern gibt es Brüche, Veränderungen und Unterschiede. Deshalb sollte Gedenken nicht statisch und formelhaft sein. Deshalb wünschen wir uns, dass die Vorstellungen der Angehörigen, der Überlebenden und Freunde der Ermordeten Maßstab für Gedenken sind.
Einigen von euch ist es möglich, von Geschehenem zu erzählen. Eure Stimmen sind wichtig. Wir wollen sie hören. Wir wollen hören, was euch bewegt. In dem ihr eure Geschichten erzählt, unterbrecht ihr dieses Schweigen.

Unsere Aufgabe als Antirassist*innen und Antifaschist*innen sehen wir darin, Orte des Erinnerns und der Begegnung zu schaffen, an denen Betroffene rassistischer und neonazistischer Gewalt über ihre Gesellschaftskritik, ihre Verletzungen, Bedürfnisse und ihre verlorenen Lieben sprechen können, genauso wie über ihre Wünsche. Solidarität in diesen Zeiten bedeutet für uns, den Betroffenen zu begegnen, mit offenen Ohren und weitem Herzen. Es gibt viele Erfahrungen und Geschichten, viele Perspektiven, von damals und von heute. Wir möchten aus der Vereinzelung zusammen bringen, vernetzten und uns alle herausfordern. Es gibt noch viel zu tun. Niemand wird vergessen. Kein Schlussstrich.