Erklärung der VVN-BdA zum 80. Jahrestag des Überfalls auf die Sowjetunion

Erklärung der VVN-BdA zum 80. Jahrestag des Überfalls auf die Sowjetunion

Vor 80 Jahren, am 22. Juni 1941 überfielen die Armeen Hitlerdeutschlands und ihrer
Verbündeten die Sowjetunion. Damit begann das letzte Kapitel der Aggression des
deutschen Faschismus gegen alle europäischen Völker. Doch dieser Krieg war nicht allein
ein Eroberungskrieg um Raum und Ressourcen, es war von der Ideologie und Kriegsplanung
ein Vernichtungskrieg gegen den „jüdisch-bolschewistischen” Feind.

Die Generalität der Deutschen Wehrmacht machte mit dem Kommissarbefehl, dem
Generalplan Ost sowie dem Handeln der Einsatzgruppen deutlich, dass sie dieses Konzept
des Vernichtungskriegs von Anfang an unterstützten. Dieser Vernichtungswille zeigte sich in
zahlreichen Mordaktionen, die Wehrmachtseinheiten und Einsatzgruppen des SD
(Sicherheitsdienst der SS) gegen jüdische und slawische Zivilisten in den okkupierten
Gebieten verübten. Allein dem Massaker von Babi Jar fielen im September 1941 über 30.000
Menschen zum Opfer.

Dieser Vernichtungskrieg brachte unendliches Leid über die Menschen und forderte mehr als
27 Millionen Opfer aus allen Teilen der Sowjetunion.

Es liegt in der Verantwortung heutiger Generationen, dass niemand diese Gräueltaten
je vergessen oder relativieren darf.

Daher verwahren wir uns dagegen, dass u.a. durch die Resolution des Europäischen
Parlaments vom 19. September 2019 eine skandalöse Form der Geschichtsverfälschung
betrieben wird, indem mit Verweis auf den deutsch-sowjetischen Nichtangriffsvertrag die
Verantwortung für den Zweiten Weltkrieg und damit letztlich auch für den Überfall auf die
Sowjetunion den Opfern selber zugewiesen wird. Außerdem müssen wir erleben, dass in
verschiedenen europäischen Ländern Kollaborateure des faschistischen Krieges, Freiwillige
in den SS-Verbänden im Baltikum, die „Blaue Division” in Spanien oder Bandera-Einheiten in
der Ukraine als „Freiheitshelden” in ihren jeweiligen Ländern gewürdigt werden. Hierin sehen
wir verhängnisvolle Formen von Geschichtsrevisionismus, denen wir uns auch international
entgegenstellen.

Wir erinnern daran, dass es die Einheiten der sowjetischen Streitkräfte waren, die im
Verbund der Anti-Hitler-Koalition die Hauptlast der militärischen Befreiung Europas und auch
unseres Landes getragen haben. Beginnend im Dezember 1941 mit der Schlacht vor
Moskau, bei der die faschistische Illusion eines „Blitzkrieges” platzte, im Februar 1943 mit
der Niederlage der 6. Armee bei Stalingrad und dem anschließenden verlustreichen
Vormarsch nach Westen.

Möglich wurde dies im gemeinsamen Handeln der Roten Armee

  • mit der Zivilbevölkerung, die in Leningrad eine Blockade von 900 Tagen standhielt,
    bevor es gelang, die faschistischen Aggressoren zu vertreiben, und an der
    Heimatfront enorme Anstrengungen in der Rüstungsproduktion unternahm,
  • mit den Partisaneneinheiten, die im Rücken der deutschen Einheiten begannen, dieVersorgungswege zu blockieren und durch eigene militärische Aktionen eine große Zahl von Einsatzkräften im Hinterland banden,
  • und mit Unterstützung der westalliierten Verbündeten, die durch Lieferung von Rüstungsgütern und weiteren Materialien die Kampffähigkeit der sowjetischen Streitkräfte unterstützten.

Wir erinnern daran, dass auch deutsche Antifaschisten, die in der Sowjetunion Exil gefunden
hatten, aber auch deutsche Soldaten, die im Krieg auf die sowjetische Seite wechselten,
ihren Anteil als Frontbeauftragte, in Einheiten der Roten Armee und in anderen Formen an
der militärischen Niederschlagung des deutschen Faschismus gehabt haben.

In Erinnerung an all diese Menschen, die sich an dieser Front für die Vernichtung des
Nazismus mit seinen Wurzeln und die Schaffung einer neuen Welt des Friedens und der
Freiheit eingesetzt haben, treten wir ein

  • für eine angemessene Erinnerung und Würdigung der millionenfachen Opfer des
    Vernichtungskrieges,
  • gegen jede Form von Geschichtsrevisionismus und Rehabilitierung von NSKollaborateuren,
  • für eine Friedenspolitik, die im Dialog mit Russland und den anderen Staaten der ehemaligen Sowjetunion eine neue Politik der Entspannung und Abrüstung in Europa ermöglicht.

Text: A. Flindt